Als Realgymnasium im Kaiserreich
Das deutsche Kaiserreich bestand von 1871 bis 1918. Es existierte nur knapp 50 Jahre, hat aber das Bewusstsein der Deutschen sehr geprägt, zum Teil bis heute. Wenn es auch zahlreiche Kritiker gab, so fand das Reich viel Zustimmung in allen Schichten und Klassen der Gesellschaft.
Das Reich brachte große Leistungen hervor und seine Bedeutung für den einzelnen wuchs: in der Schule, in der Wirtschaft, in der Technik und Wissenschaft sowie in der Sozialgesetzgebung. In vielem war das Reich sehr modern. Es gab den Staat, der hoffte, durch Bildung der Bevölkerung seine Macht und Leistungskraft zu stärken. Davon profitierte auch das Eilenburger Schulwesen.
Um 1900 reichten die Räume des alten Realprogymnasiums (späteres Polizeigebäude Eilenburg Mitte) bei weitem nicht mehr aus. 1906 war es dann endlich soweit. Im April wurde das neue Realgymnasium eingeweiht. Doch bis dahin war es ein weiter Weg.
Im Februar 1902 fasste die Eilenburger Stadtversammlung den Beschluss zur Aufstockung des Realprogymnasiums zum Realgymnasium mit Obersekunda und Prima. Einen großen Fürsprecher des Beschlusses fand man im amtierenden Eilenburger Bürgermeister Dr. Belian (Bundespräsident des Reichsstädtebundes, Mitglied des Reichswirtschaftsrates etc.).Die unumgänglichen langwierigen Verhandlungen mit dem Minister für "Geistliche, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten" führten am 24.01.1904 zu einem positiven Abschluss, der aber die Bedingungen stellte, ein modernes, neues Gebäude mit Turnhalle und Spielplatz zu errichten. So musste sich Eilenburg von der Idee lösen, das alte Realprogymnasiumsgebäude, welches sich am Südring im späteren Polizeiamt (in den Jahren der DDR) befand, auszubauen. Die Baudeputation von Eilenburg wählte als Bauplatz das städtische Gelände am Südring aus. Stadtbaumeister Lemke wurde die Projektierung und Bauausführung des Gebäudes übertragen. Lemke setzte für die Baukosten (einschließlich Turnhalle und Inneneinrichtung) 250.000 RM an.
Der Bauplan sah einen nach Nordwesten ausgerichteten einstöckigen Flügelbau vor, der die Klassenräume beherbergte. Außerdem war ein zweistöckiger Eckbau geplant, der Treppenhaus, Turnhalle, Aula, Zeichen- und Singesaal aufnehmen sollte. Noch im Jahre 1904 begannen die Arbeiten am Fundament, wobei sich wegen schlechtem Baugrund und Wasserandrang einige Schwierigkeiten ergaben. Bis zu 5m tief musste das Fundament aus Zementbeton gelegt werden; der darauf liegende Absatz wurde in Kalkzementbeton und der nächst höhere in Bruchsteinmauerwerk ausgeführt. Die Bauarbeiten wurden im Jahre 1905 beschleunigt, damit die Schule im April 1906 ihrer Bestimmung übergeben werden konnte. Besondere Beachtung findet die Tatsache, dass alle gestellten Termine eingehalten wurden.
Die Einweihungsfeiern des Gebäudes fanden am 20. und 21. April 1906 statt. In der Aula versammelten sich Vertreter der Behörden, Ehrengäste, frühere Lehrer, ehemalige Schüler und ein Teil der momentanen Schüler. Unter den Ehrengästen befanden sich zwei Vertreter des Provinzschulkollegiums sowie der preußische Landhofmeister Graf von Eulenburg-Prassen als Vertreter des alten Geschlechts der Ulburg. Nach der Festansprache, die Dr. Belian hielt, wurde die Schule an Direktor Dr. Redlich übergeben, der einstimmig vom Magistrat gewählt worden war.
