Im Dritten Reich

Als Reichspräsident Paul von Hindenburg am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannte, hatte die parlamentarische Demokratie der Weimarer Republik längst aufgehört zu funktionieren. Das Interesse der deutschen Öffentlichkeit an einer Neubelebung der Demokratie war sehr gering. Diese Tatsache erleichterte viele Maßnahmen, die keiner Erörterung mehr bedurften.

Herr Schulz wurde von seiner Direktorenstelle entbunden und in diese 1945 nach Kriegsende wieder eingesetzt. Aus einem Konferenzprotokoll vom 13.04.1934 geht hervor, dass Studienrat Kirsten vom Ministerium die kommissarische Leitung der Anstalt übertragen bekam.

Die Lehrerschaft des Realgymnasiums war auch in den folgenden Jahren stets bemüht, den Schülern ein umfangreiches Wissen zu vermitteln. Sie ließen in ihrem Aufforderungsniveau nicht nach und berieten in jährlich wiederkehrenden Versetzungs- und Zensurenkonferenzen über die Leistungen ihrer Zöglinge. Dabei wurde jeder Schüler namentlich benannt und in den Akten vermerkt. Solche Konferenzen dauerten Stunden, manchmal sogar mehrere Nachmittage.

Die zunehmende Stabilisierung des Nationalsozialismus wirkte sich zunehmend mehr auf die Schule aus. Schulinterne Maßnahmen traten zugunsten politischer Richtlinien in den Hintergrund. Im August 1933 erhielt die Schule ihr erstes Radiogerät. Ein Lehrer zeichnete dafür verantwortlich, das Schulfunkprogramm zu studieren und geeignete Sendungen bekannt zu geben. Schüler der mittleren und unteren Klassen erhielten schulfrei, wenn sie am Aufmarsch der Hitlerjugend teilnahmen. Im Sinne der Verbreitung nationalsozialistischen Gedankengutes wurde die Schülerbücherei dahingehend überprüft, welche Bücher zum neuen deutschen Schrifttum gehören.

Für einige Klassenstufen gab es im September 1933 die Anweisung, einige Stunden Unterricht in Rassenkunde zu erteilen. Dafür waren eine Biologiestunde und je eine Mathematik-, Französisch- und Lateinstunde zu nutzen.

Die Bewahrung des Naturschutzgedankens sollte durch das Studium von entsprechenden, in der Schule gehaltenen Zeitschriften gefördert werden. Die Schüler der oberen Klassen wurden mit Inhalten zum "Studium der technischen Wissenschaften" vertraut gemacht und hörten einen wissenschaftlichen Vortrag über "Benzin und Benzol".

Im Dezember 1933 wurde der Erlass über den deutschen Gruß (Hitlergruß) bekannt gegeben. 1934 blieb Französisch weiterhin die Anfangssprache des vom Oberpräsidenten anerkannten Realgymnasiums. In der Schuljahresplanung hatten die Lehrer besonders die "nationalsozialistischen Erziehungsgrundsätze in die Vorschläge für die einzelnen Fächer" einzuarbeiten. Die Schülerselbstverwaltung fand in der Praxis Anwendung. In jeder Klasse wählte man einen Schülerausschuss und die größeren Schüler fungierten zur Unterstützung der Lehrer als Pausenaufsicht.

1934 gehörten sämtliche Schüler und Schülerinnen, bis auf drei Mädchen, der HJ an, zwei Primaner der SS, 5 der SA. Am Reichsparteitag in Nürnberg nahmen 7 Schüler teil.

Im Schuljahr 1934/35 fanden 5 Wandertage und verschiedene sportliche Wettkämpfe zu unterschiedlichen Anlässen, wie zum Fest der Deutschen Jugend "Um die Urkunde der Herrn Reichspräsidenten"...statt. Die Lehrer organisierten zudem einen Schüleraustausch mit einer Schule in Koblenz.

Traditionen für Schulfeiern und -feste wurden weiter erhalten oder neu geschaffen. Immer ein Lehrer zeichnete dafür verantwortlich. Seine Aufgabe bestand darin, mit den Schülern dieses Ereignis inhaltlich und organisatorisch abzusichern. Dazu ein Beispiel: "Feier zu Hitlers Geburtstag, 50. Jahrestag der Erwerbs der deutschen Kolonien (Erinnerung an den 30.04.1884), 1.5. Tag der Deutschen Arbeit, Feier zum Muttertag, Skagerrak - Feier, eine Feier zur 20-jährigen Wiederkehr des Kriegsbeginns (1. Weltkrieg), 7.8.34 Trauerfeier zum Tode des Reichspräsidenten, 3.9.34 Gedenken zur 400. Wiederkehr des Erscheinens der Lutherbibel, Weihnachtsfeier."
Allgemeine Lehrerkonferenzen hoben sich deutlich von leistungsbewertenden Beratungen ab. Sie dauerten kaum eine Stunde und dienten der Entgegennahme von Verfügungen (gesetzlich vorgegebene Maßnahmen) und verschiedener Informationen. Ausführliche Informationen erhielten die Lehrer über die Durchführung nationalsozialistischer Lehrgänge für Schüler. Hier sprach man auch über Anforderungen an die teilnehmenden Lehrer und über den Tagesablauf im Lager, die Unterbringung der Schüler.

Die zunehmende Politisierung zeigte sich durch eine steigende Zahl staatlicher Verfügungen. Der olympische Gedanke war den Schülern aus zentraler Sicht zu erläutern, Schülerbriefwechsel mit ausländischen Schülern in Bahnen zu halten, das Verständnis für die Kriegsmarine sollte in der Jugend geweckt werden. 1936 wurde der Bezug der nationalsozialistischen Tagespresse für Lehrer zur Pflicht gemacht. Es erging eine Information darüber, welche Konsequenzen der Austritt eines Beamten aus der NSDAP hat. Geschah der Austritt aus politischen Gründen, so erfolgte Entlassung aus dem Staatsdienst, bei anderen Gründen war eine weitere Beförderung unmöglich.

Jeder Schüler sollte Ahnentafeln aufstellen. um eine lebendige Verbindung zu den Ahnen zu erhalten. Eine Auswertung gab es in allen Klassen, wobei der Deutschlehrer und der Biologielehrer die besondere Zuständigkeit übertragen bekamen.

An dieser Stelle sei noch einmal betont, dass trotz politischer Indoktrination, die das Schulleben vorrangig beherrschte, mehrfach wissenschaftliche Ausflüge und Besichtigungen durchgeführt wurden. Ziele der Exkursionen waren unter anderem die Pechhütte, die Porzellanfabrik, der Lufthafen, die Gasanstalt, Besuche von Theater- und Opernaufführungen in Leipzig gehörten auch zu den Bildungsformen der Gymnasiasten.

Im Schuljahr 1937/38 schaffte man die Arbeitsgemeinschaften nach den Übergangsbestimmungen für die Neuordnung des höheren Schulwesens ab.

Im Unterrichtsjahr 1938/39 erhielten einige Lehrer ihre Einberufung zu militärischen Übungen. Bei Kriegsausbruch im Herbst 1939 wurden sofort 2 Lehrer eingezogen. Da ein Ersatz für den einzigen Fachlehrer für Biologie und für den Musiklehrer nicht zur Verfügung stand, musste der Unterricht in Musik ganz, in Biologie teilweise ausfallen. Eine Reifeprüfung fand in diesem Schuljahr nicht statt. Von 22 Schülern der Klasse 8 wurden 20 zum Heeresdienst einberufen, einer leistete Kriegshilfsdienst und eine Schülerin trat in den Reichsarbeitsdienst ein. Sie erhielten sämtlich das Reifezeugnis ohne Prüfung.

Mit Beginn und Ausweitung des Krieges glich sich das schulische Leben dem Alltag "Draußen" an. Luftschutzmaßnahmen mussten den Schülern erläutert werden. Schüler, die vor Abschluss aller Reifeprüfungen in die Wehrmacht eingezogen wurden, erhielten die Notreife. Die Wirren des Krieges hatten nicht nur Einfluss auf die Leistungen der Schüler, sondern auch die Lehrer reagierten nervöser als sonst auf manchen Streich der Jugendlichen. Wachsende Verunsicherung im Reich führte im April 1941 zu neuen Erlassen über Schülerstrafen, über den Verkehr von Schülern mit Gefangenen und über den gesellschaftlichen Verkehr mit Amerikanern.

Am 05.12.1942 begann der Einsatz von Jugendlichen des Realgymnasiums im Kriegsdienst. Die obersten Klassen lichteten sich zunehmend. Schüler meldeten sich als Freiwillige für den Kriegsdienst oder dienten als Kriegshelfer. Die jungen Leute waren zum Teil als Flakhelfer tätig. Den Daheimgebliebenen legte man 1943 nahe, dass Schülerbriefe an führende Männer des Staates und der Wehrmacht unerwünscht sind. Mädchen wurden immer häufiger zu Ernteeinsätzen oder ähnlichen Arbeiten gerufen. Zwergklassen unter 10 Schülern legte man zusammen, besonders 11. und 12. Klassen. Luftwaffenhelfer mussten ständig einsatzbereit sein und konnten ab Oktober 1943 nicht mehr nach Eilenburg kommen. Der Unterricht in Griechisch entfiel in dieser Zeit, da es an Lehrern fehlte.