Als EOS in der DDR
Am 7. Oktober 1949 wurde die DDR proklamiert. Dieser Staat verstand sich als das Gegenstück zur BRD und führte eine sozialistische Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung nach sowjetischem Vorbild unter Vorherrschaft der SED ein.
Nach 40 Jahren scheiterte dieses Sozialismusmodell an einer tiefen politischen, ökonomischen und moralischen Krise des gesamten Systems.
Im September 1953 betrug die Schülerzahl der Oberschule 282. Davon erhielten 187 Schüler (75%) Beihilfen im Wert von 7.230 M. Insgesamt zahlte der Staat für die Eilenburger Oberschule pro Jahr rund 300.000 M für Beihilfen, Ferienwanderungen und Lehrbücher.
1950 gab es die erste Schulspeisung an der Schule in Form eines warmen Mittagessens.
Bereits in den Anfangsjahren der DDR bildete die Einheit von Bildung und weltanschaulicher Erziehung den Schwerpunkt in den Schulen. Lehrpläne und Schulbücher, die auf dem Marxismus beruhten, begannen den Unterricht zu bestimmen. Alle wichtigen gesellschaftlichen und politischen Ereignisse, z.B. Parteitage und Tagungen der SED und der KPdSU, neue im Sozialismus wirkende Gesetze standen im Mittelpunkt von FDJ-Stunden, des Faches Gegenwartskunde und später im FDJ-Studienjahr, in politischen Informationen sowie im Geschichts- und Staatsbürgerkundeunterricht. Alles war ideologisch ausgerichtet auf die Politik der SED und ihre führende Rolle.
Ein Höhepunkt in der Durchsetzung des SED-Machtmonopols wurde in den 80er Jahren erreicht. Der Geschichtsunterricht der Klassenstufen 11 und 12 beschränkte sich in dieser Zeit auf die Vermittlung der Geschichte der SED nach dem "Abriss der SED". Man versuchte damit, den Beweis anzutreten, dass die Politik gesetzmäßig und wahr sei. Unter dem Schlagwort der "politischen Wachsamkeit" sollte z.B. der Einfluss der Kirche und der westlichen Medienpropaganda auf die Schule entweder nicht zugelassen oder verdrängt werden.
Es wurde 1953 festgestellt, dass die Schule wachsam sein müsse gegenüber der "Jungen Gemeinde", "die", so im Bericht weiter, "Im Gebiet der DDR feindliche Tätigkeiten entfaltet und versucht, die Jugend zu spalten." Eine Schülerin beurlaubte man vorübergehend von der Schule wegen ihrer Mitarbeit in einer Kirchengemeinschaft. Die Republikflucht von 6 Schülern der Oberschule im Jahre 1958 wertete der Schulleiter vor dem Appell aus und verurteilte diese.
Auf eine scharfe Abgrenzung vom Westen zielte auch der Aufruf an Schüler und Eltern von 1961 hin, Westfernsehen und Abhören westlicher Sender zu unterlassen.
Ende der 50er Jahre begann der Prozess der Herausbildung der zehnklassigen allgemeinbildenden polytechnischen Oberschule. Im Inhalt dieser Bildung nahmen das naturwissenschaftlich-technische Wissen sowie elementare Produktionsfertigkeiten größeren Raum ein. Die Verbindung der Schule mit dem Leben wurde aufgebaut, der Unterricht in der Produktion eingeführt. Aus Schulprotokollen geht hervor, dass sich bereits ab 1952/53 die Lehrer der Oberschule mit der Gestaltung der polytechnischen Bildung an der Schule befassten. Davon zeugen Diskussionen auf verschiedenen pädagogischen Räten, Voraussetzungen an der Schule für diese Form der Bildung zu schaffen.
Einen ersten Erfolg erreichte man 1953. Die Schule erhielt nach langen Bemühungen einen Schulgarten auf dem Gelände der ehemaligen Fabrik "Monski" und die Schüler konnten nun auch praktische Arbeiten ausführen.
Die ständige Hebung des Bildungsniveaus war oberstes Gebot an der Schule. In Zusammenkünften der Lehrerschaft wurde vielfach über pädagogische Probleme, über Pläne und deren Stofffülle diskutiert. Sie dienten der methodischen und fachlichen Weiterbildung der Kollegen. Die Erfüllung der Lehrpläne musste durch die Lehrer auf Stunden und Wochen exakt abgerechnet werden. Die Einteilung des Schuljahres fand in Tertialen (Jahresdritteln) statt.
Besonders für Arbeiter- und Bauernkinder gab es ab 1953 Förderkurse. In allen Klassenstufen waren in den wichtigsten Fächern prüfungsähnliche Kontrollarbeiten zu schreiben. Die Arbeitszeit für die Kontrollen reichte von 120 bis 180 min. Duden und Wörterbuch durften dabei nicht verwendet werden.
Im Jahr 1958 wurde ein Versuch gestartet neben dem Abitur einen Facharbeiterberuf zu erlernen. Es wurden eine Mädchen- und Jungenklasse gebildet und in landwirtschaftlichen Berufen ausgebildet. Nach diesem erfolgreichen Versuch wurde diese Ausbildung dann für alle Schüler eingeführt und in den Berufen Tischler (QMF), Betonwerker (Laußig), Landwirt (Hohenprießnitz) sowie Elektriker und Chemiefacharbeiter (ECW) schlossen alle Schüler neben dem Abitur mit einem Facharbeiterbrief ab. Im Jahr 1970 wurden die letzten Schüler einer Facharbeiterprüfung unterzogen.
In den 50er und 60er Jahren gab es sehr viele verschiedene Aktivitäten. Am 1. Deutschlandtreffen der Jugend im Mai 1950 nahmen auch 22 Schüler und 6 Schülerinnen der Schule teil. Man arbeitete in verschiedenen Arbeitsgemeinschaften, und bis 1954 wurden durch die FDJ-Gruppe weitere Zirkel ins Leben gerufen, z.B. ein Zirkel Fototechnik, eine Laienspielgruppe, ein Zirkel für Schachspiel und eine Volkstanzgruppe. Die Schüler der Oberschule beteiligten sich an Buntmetall-, Schrott- und Altstoffsammlungen. Die besten Sammler und Gruppen erhielten eine Prämie.
In den Sommerferien 1955 leisteten die Schüler und Schülerinnen 8.000 Arbeitsstunden. Einmal wurde unsere Schule beste Schule des Bezirkes bei der Heilkräutersammlung und erhielt eine Prämie von 75,00 M.
In den Ferien standen Schulwanderungen auf dem Programm, meist für 6, aber auch für 10 Tage. Schüler und Lehrer sollten sich jeweils bestimmte Ziele mit entsprechenden Aufträgen stellen.
Der Sport spielte in den Jahren der DDR an der Schule eine herausragende Rolle. Von den 277 Schülern im Jahre 1954 erhielten nach abgelegter Prüfung 118 Schüler (ca. 43%) das Sportleistungsabzeichen. Ein Sportclub wurde gegründet und regelmäßig Sportvergleichswettkämpfe mit der Oberschule Torgau organisiert und durchgeführt. Bereits in den 50er Jahren arbeiteten Schüler in der Gesellschaft für Sport und Technik.
Im Zeitraum von 1956 bis 1977 fanden regelmäßig Schülerfestivals statt, die abwechselnd in Oschatz, Wurzen und Eilenburg durchgeführt und von den jeweiligen Oberschulen bzw. EOS organisiert wurden. Auf dem Programm standen unter anderem Sportwettkämpfe im Volleyball, Fußball, in der Leichtathletik, im Turnen und kulturelle Veranstaltungen.
1960 erhielt die Oberschule die Bezeichnung "Erweiterte Oberschule" Eilenburg, kurz gesagt "EOS". In den 60er Jahren gestaltete man das gesamte Bildungswesen mit dem Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungssystem der DDR erneut um und führte zur Vervollkommnung dieser Bildung 1965 das Kabinettsystem mit entsprechenden Fachräumen ein.
Der polytechnische Charakter der EOS blieb auch in den 70er und 80er Jahren erhalten. Die Schüler absolvierten zu diesem Zweck ab 1970 im vierzehntägigen Abstand die wissenschaftlich-praktische Arbeit (WPA) im Eilenburger Chemiewerk.
Die militärische Nachwuchsgewinnung spielte eine zunehmende Rolle, was die Einführung des Faches Wehrunterricht im Jahre 1978 nach sich zog.
Neben wissenschaftlichem, politischem und militärischen Unterricht gab es viele gemeinsame Veranstaltungen in den Klassen. Dazu zählten Film-, Theater- und Opernbesuche, Exkursionen und Wanderfahrten, Arbeitseinsätze in der Kartoffel- und Apfelernte sowie Praktika in den Betrieben des Kreises. Schul- und Sportfeste sowie Kulturwettstreite waren dabei stets Höhepunkte im Schulleben.
Ab 1979 erhielt die EOS den Namen "Friedrich Engels". 1981/82 liefen an der Schule die Klassen 9 und 10 als Vorbereitungsklassen aus. Seit 1982/83 gab es vorläufig nur noch die Klassenstufen 11 und 12.
Im Rahmen sozialpolitischer Maßnahmen erhielten die Schüler und Schülerrinnen seit Anfang der 80er Jahre Ausbildungsbeihilfen.
Schüler der 11. Klassen - 110,00 Mark
Schüler der 12. Klassen - 150,00 Mark
1989 bekam die Schule das erste Computerkabinett im Bezirk Leipzig. Die Schüler der 11. Klassen erhielten wöchentlich 2 Stunden Unterricht im Fach Informatik. In den Jahren der DDR leiteten die Direktoren Herr Martin und Herr Glück die Schule. Dabei kann Direktor Martin auf die längste Amtszeit von 29 Jahren (1949-1978) verweisen.
